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Branchen-Ratgeber

Zeiterfassung für Agenturen und Dienstleister: abrechenbare Stunden

Zeit ist bei Dienstleistern nicht nur Arbeitsschutz, sondern Umsatz: Jede Stunde gehört einem Kunden – oder eben nicht. Wie Agenturen Anwesenheit und abrechenbare Stunden zugleich sauber erfassen.

Agenturen und Dienstleister erfassen doppelt: die Anwesenheit für die gesetzliche Pflicht und abrechenbare Stunden je Kunde für die Faktura. Spezialisierte Tools verbinden beides – Clockodo etwa ab 8 € pro Nutzer und Monat inklusive Projektcontrolling. Reine Projekt-Timer wie Toggl Track decken die deutsche Anwesenheitspflicht dagegen nicht ab.

Die doppelte Buchführung der Dienstleister

Für ein Software-Studio, eine Werbeagentur oder ein Ingenieurbüro hat jede Arbeitsstunde zwei Gesichter. Nach außen ist sie eine Position auf der Kundenrechnung – oder eine Investition, die keiner bezahlt. Nach innen ist sie Arbeitszeit, die seit dem BAG-Beschluss von 2022 mit Beginn, Ende und Dauer dokumentiert werden muss. Beide Sichten speisen sich aus derselben Quelle, folgen aber verschiedenen Logiken: Die Pflichterfassung fragt nach dem Wann, die Projekterfassung nach dem Wofür. Wer die Unterscheidung im Detail nachlesen will, findet sie im Beitrag Projektzeiterfassung vs. Arbeitszeiterfassung.

Abrechenbare Stunden: das Rückgrat der Kalkulation

„Billable Hours" sind Stunden, die einem Kundenauftrag zugeordnet und fakturiert werden – im Unterschied zu interner Zeit für Akquise, Verwaltung oder Teammeetings (Begriffe im Glossar). Die Trennung ist mehr als Buchhaltung: Erst wenn beide Kategorien ehrlich erfasst werden, zeigt sich, ob ein Festpreisprojekt die kalkulierten Stunden hält, welche Kunden systematisch mehr Aufwand verursachen und wo interne Zeit überhandnimmt. Aus denselben Daten entsteht die Nachkalkulation fürs nächste Angebot – der vielleicht wichtigste Hebel, den Zeiterfassung einem Dienstleister bietet.

Hinzu kommt die Nachweisfunktion gegenüber dem Kunden: Wer nach Aufwand abrechnet, muss auf Rückfrage belegen können, welche Arbeiten hinter den fakturierten Stunden stehen. Ein sauber geführtes Projektjournal mit Datum, Aufgabe und Dauer beantwortet solche Fragen in Minuten – und verhindert, dass am Quartalsende über einzelne Positionen verhandelt wird. Auch dafür gilt: Die Qualität des Nachweises entsteht beim Buchen, nicht beim Export.

Die Tool-Landschaft für Dienstleister

Projektzeit-Tools im Profil (netto, Listenpreise Juli 2026)
ToolPreisProfil
ClockodoBasic 4 € · Pro 8 € (Aktionspreis, regulär 10 €)deutsche Allround-Lösung: Anwesenheit plus Projektcontrolling, Report-Builder
timrab 8 € zzgl. Accountgebührmobile Teams und Außendienst, Fahrtenbuch integriert
TimeTacProjektzeit ab 9 € + 19,50 € Grundgebührmodular, skaliert in den Mittelstand
Toggl TrackFree bis 5 Nutzer · Starter 9 USDschnellster Timer, große Integrationswelt – nur Englisch
ZEPab ca. 2 €Projektzeit für projektbasierte Dienstleister

Clockodo ist mit 4,7 von 5 Punkten bei 960 OMR-Reviews das meistbewertete deutschsprachige Tool der Kategorie und übergibt erfasste Zeiten per Schnittstelle an gängige deutsche Rechnungswerkzeuge. Toggl Track glänzt beim Timer-Komfort und sammelt auf Capterra 4,7 von 5 aus 2.587 Bewertungen, bleibt aber ein reines Projektwerkzeug. Daneben existiert ein breites Feld an Agentursoftware mit Zeiterfassungsmodul – etwa MOCO oder awork –, das sich lohnt, wenn ohnehin Projektmanagement gesucht wird. Die Gesamtübersicht mit Preisen bietet der Systemvergleich.

Die Pflichterfassung läuft nebenher – oder gar nicht

Der klassische Agenturfehler ist, die gesetzliche Seite für erledigt zu halten, weil ja „alles getrackt" wird. Ein Projekt-Timer ohne Anwesenheitslogik erfasst aber weder Pausen noch Arbeitszeitgrenzen – er weiß nur, wie lange an Aufgabe X gearbeitet wurde. Zwei Architekturen funktionieren: ein System, das beide Ebenen führt und Projektstunden gegen die Anwesenheit prüft (bei Clockodo deckt schon der Basic-Tarif die Anwesenheitspflicht ab), oder ein führendes Anwesenheitssystem plus Projekttool für die Verteilung. Wichtig ist ein monatlicher Abgleich: Liegt die Projektsumme über der gestempelten Anwesenheit, stimmt eine der beiden Erfassungen nicht. Wie aus den Anwesenheitsdaten ein sauberer Saldo wird, zeigt der Beitrag Arbeitszeitkonto führen; den rechtlichen Rahmen erklärt der Ratgeber Digitale Zeiterfassung.

Vier Praxis-Regeln für saubere Projektstunden

  1. Taggleich buchen: Wer Freitagnachmittag die Woche rekonstruiert, schätzt – und Schätzungen verzerren jede Nachkalkulation.
  2. Raster grob halten: Wenige, klar benannte Aufgaben je Projekt genügen. Ein zu feines Raster erzeugt Buchungswiderstand und Fantasiezuordnungen.
  3. Interne Zeit ehrlich erfassen: Akquise, Orga und Weiterbildung gehören sichtbar ins System – sonst wirken Projekte profitabler, als sie sind.
  4. Monatsabgleich einplanen: Projektsumme gegen Anwesenheit prüfen und Abweichungen klären, solange die Erinnerung frisch ist.

Häufige Fragen

Welche Zeiterfassung passt zu einer Agentur?

Für die meisten deutschen Agenturen ist Clockodo die naheliegende Wahl: Anwesenheits- und Projektzeiterfassung in einem System, Auswertungen je Kunde und Schnittstellen zu Rechnungstools. Teams mit viel Außendienst greifen zu timr, international arbeitende Teams zu Toggl Track – dann braucht es aber eine separate Lösung für die Anwesenheitspflicht.

Was zählt als abrechenbare Stunde?

Jede Stunde, die einem Kundenauftrag zugeordnet und laut Vertrag fakturiert werden kann – Konzeption, Umsetzung, Abstimmung mit dem Kunden. Nicht abrechenbar sind interne Zeiten wie Akquise, Verwaltung oder Weiterbildung. Die Grenze zieht der Vertrag; entscheidend ist, beide Kategorien konsequent zu erfassen.

Reicht Toggl Track für ein deutsches Team?

Für die Projektabrechnung ja, für die gesetzliche Anwesenheitserfassung nein: Toggl Track kennt weder Pausen- noch Höchstarbeitszeitlogik nach deutschem Recht und bietet nur eine englische Oberfläche. Deutsche Teams kombinieren es daher mit einem Anwesenheitssystem oder wählen gleich ein Tool, das beides führt.

Quellen